Agra + Fatehpur Sikri  -  06.-08.03.2013

06.03. Mit dem Auto nach Jhansi, Zugfahrt nach Agra

Stehen um 7.30 Uhr auf, heute haben wir kein Programm mehr in Khajuraho, müssen aber weiter nach Agra.

Pünktlich um 9 Uhr ist unser Fahrer von gestern da und wir starten los nach Jhansi, von dort sollen wir den Zug nach Agra nehmen. Sind ja "nur 145 km" und der Zug fährt erst um 13.55 Uhr. Aber hier in Indien sind 145 km schon ziemlich weit.

Unser Fahrer macht einen kleinen Umweg über sein Heimatdorf. Dort ist die kleine Tempelanlage Dhubela am gleichnamigen See - recht nett dort.

Das kleine Dorf ist idyllisch, keiner bettelt und wir können endlich mal etwas Einblick in das normale Leben hier bekommen. Die Frauen, die sich am Dorfbrunnen zum Neuigkeiten-Austausch treffen, die kleineren Schulkinder, die uns aus einem winzigen Raum zuwinken, in dem sie am Boden sitzen müssen. Ältere Schulkinder in ihren adretten Schuluniformen, der Schmied, der die Sicheln der Bauern schärft. Das ist wieder eine Seite an Indien, die uns total gut gefällt. Generell ist es ja mitten am Land auch nicht annähernd so dreckig wie in der Nähe der größeren Städte.

Wir sind froh über die Gelegenheit zu solchen "Abstechern", die hat man in einer Gruppe kaum - wenn, dann meist nur zu irgendwelchen "Touristenfallen".
Unser Fahrer denkt natürlich auch an ein höheres Trinkgeld bei diesem Umweg, doch das sei ihm ja auch vergönnt :-)

Bevor wir Jhansi erreichen, müssen wir noch zum obligatorischen Touristen-Restaurant mit integriertem Shop. Es ist uns immer wieder unbegreiflich, warum man hier so unverschämte Preise verlangt. Würde man nicht das Doppelte verlangen, was man bei uns zuhause für ähnliche Sachen zahlt, würde sicher jemand was kaufen!
Wir haben an solchen Orten generell auf Essen und Einkaufen verzichtet. Trotzdem sind wir vor allem mit Pawan gerne immer in diese Restaurants eingekehrt, weil der Fahrer dort kostenlos zu essen und zu trinken bekommt, auch wenn die Touristen nichts konsumieren.

Kurz nach 12 Uhr erreichen wir Jhansi. Werden auch hier von einem örtlichen Vertreter erwartet, der uns zum Zug bringt. Wieder mal Verwirrung wegen unseren Plätzen und wegen dem tatsächlichen Abfahrtsgleis. Hatten von Alleinreisenden gehört, daß es sehr kompliziert ist, hier in Indien tatsächlich ohne Stress den richtigen Zug zu erwischen. Erste Klasse Tickets kann man offenbar ohnehin nur lang vorher vorreservieren. Eine niedrigere Klasse würden wir auch sicher nicht fahren ...

Mit nur wenigen Minuten Verspätung ist der Khajuraho-Udaipur-Express dann da. Sind froh, einsteigen zu können, denn der Bahnhof Jhansi ist echt keine Augenweide. Von penetrantem Gestank, unzähligen Ratten bis zu Menschen mit furchtbaren Krankheiten (Pest, Lepra ?!?) ist hier alles vertreten. Gehört aber wohl dazu zu einer Indien-Reise diese Erfahrung :-)

Wir wundern uns schon etwas, daß wir den weiten Weg von Khajuraho mit dem Auto herfahren mußten, wo doch der Zug auch aus Khajuraho kommt. Aber die Fahrt durch das ländliche Gebiet war recht interessant, so stört uns diese Sache nicht weiter.

Sitzen wieder im ersten Abteil der ersten Klasse, diesmal ein Pärchen aus Großbritannien zur Gesellschaft. Die haben eine ähnliche Individualtour wie wir gebucht (allerdings wesentlich teurer bei recht gleichen Leistungen) und ähnliche Erfahrungen gemacht. Beschweren sich auch fürchterlich über die Abzocke überall in den Restaurants usw. Das gleiche, was wir halt über einen Urlaub in Großbritannien auch sagen :-)

Auf dieser Fahrt sehen wir leider nicht viel von der Landschaft, weil die Fensterscheiben total angelaufen sind - die freie Sicht hatten wir bei der ersten Zugfahrt gar nicht geschätzt, sollte die einzige mit total freier Sicht gewesen sein ...

Mit nur ein paar Minuten Verspätung erreichen wir kurz vor 18 Uhr Agra. Am Bahnsteig werden wir wieder mal mit Namensschild erwartet, wissen mittlerweile gar nicht mehr, der wievielte Betreuer das schon ist jetzt ...

Aber draußen vor dem Bahnhof wartet ein vertrautes Gesicht - unser Fahrer aus Delhi, Pawan - wir freuen uns genauso über das Wiedersehen wie er auch!

Hier ist es noch heißer als in Khajuraho, lt. Guide um die 40 Grad. Wir fahren nicht allzulange bis ins Hotel. Eine angenehme Überraschung, wir haben ein kostenloses "Upgrade" auf das Raj Mahal Hotel bekommen. Das Zimmer relativ neu und endlich wieder mal eine Matratze, die nicht an ein Brett erinnert!

Gehen ins Hotel-Restaurant essen. Eine "Platte des Hauses" mit verschiedenen Gerichten (vegetarisch oder mit Hühnchen), dazu natürlich das fantastische indische Brot. Sehr gut hier und nicht allzu teuer.

07.03. Taj Mahal

Schon um 6.40 Uhr müssen wir heute raus, denn wir wollten früher am Taj Mahal sein, als wir vorgeschlagen bekamen. Unser Guide (natürlich schon wieder ein neuer) meinte, die ruhigste Zeit sei zwischen 7 und 7.30 Uhr. Bei Sonnenaufgang und ab 8.30 Uhr sei der größte Andrang.

Beim Eingang sind tatsächlich sehr wenige Leute, die Sicherheitskontrollen sind streng und wenn hier ein großer Andrang herrscht, heißt es sicher lange warten ...

Sind trotzdem schon jede Menge Leute da und wir müssen uns für einen guten Fotoplatz etwas anstellen. Franky ist total enttäuscht, weil man die Videokamera beim Eingang abgeben muß, eine Aufnahme von der Ferne, das wars dann. Die obligatorische Videogebühr von 25 Rupien ist (wie überall sonst auch) natürlich trotzdem zu bezahlen :-( Das kennen wir überhaupt von keinem anderen Land der Welt, daß man fürs Filmen (überall) und fürs Fotografieren (sehr oft) extra bezahlt. Diese Kosten sind natürlich in unserem Pauschalpreis nicht enthalten, die Eintrittsgebühren schon.

Aber jetzt stehen wir hier vor der wohl berühmtesten Grab-Moschee der Welt - dem im 17. Jhdt. erbauten Taj Mahal. Darauf warte ich schon sehr lange Zeit und es ist perfekt - der Himmel strahlend blau und das weiße Marmorgebäude spiegelt sich im Wasser - wie man es halt von unzähligen Fotos schon kennt!

Unser Guide macht viele Fotos von uns, Stativ darf man ja leider ohne spezielle Genehmigung keines mitbringen. Wir haben während der ganzen Reise drauf verzichtet, war uns zu umständlich.

So schlendern wir langsam den Weg zum weißen Hauptgebäude entlang. Dort bekommt man vor dem Betreten des Mausoleums Wegwerf-Überschuhe, um die Anlage zu schonen. Eine gute Idee, finden wir ...

Innen hat es uns nicht übermäßig beeindruckt - es ist die gesamte Komposition der Anlage mit seinen perfekt symmetrischen Proportionen, die fasziniert. Schlicht und trotzdem wunderschön! Allein dieses "Grabmal der Liebe" war für uns die Reise nach Indien allemal wert!

Natürlich bekommen wir jede Menge Geschichte und Legenden rund um das Taj Mahal erzählt, man merkt sich aber leider so wenig davon dauerhaft, auf so einer Kultur-Reise wird man ja tagtäglich berieselt mit unzähligen Informationen.

Nach eineinhalb Stunden haben wir alles gesehen und fahren mit den Elektroautos zurück zum Eingang.

07.03. Itmad-Ud-Daulas Grabmal

Nächste Station ist das sogenannte "Mini-Taj" - oder Itmad-Ud-Daulas Grabmal. Auch ein sehr schönes Gebäude, mit dem Taj Mahal kann es aber natürlich nicht mithalten.

Hier ist es sehr ruhig - nach den Menschenmassen, die zuletzt beim Taj Mahal waren eine richtige Erholung. Das Grabmal ist zwar recht klein, aber vor allem innen überaus kostbar ausgestaltet. Auch hier findet sich die völlig zentralsymmetrische Bauweise wieder.

Man hat vom Mausoleum aus einen guten Ausblick auf den Yamuna-Fluß. Auch wenn dieser heute mehr Kloake als Fluß ist ... Unser Guide meint, so etwas wie Umweltbewußtsein gäbe es auch heute in Indien noch überhaupt nicht. Aber die Menschen werden schon noch draufkommen, meinte er traurig. Er würde versuchen, seine zwei Kinder umweltbewußter zu erziehen. Na dann hoffen wir mal für die Leute dort, daß noch mehr Menschen so darüber denken ...

07.03. Agra - Rotes Fort

Weiter gehts zum Roten Fort, einer beeindruckenden, riesigen Wehranlage mit Burggraben und Zugbrücke. Erinnert uns fast an unsere Raubritterburgen zuhause - nur sind die natürlich nicht so gigantisch groß ...
Seinen Namen hat das Rote Fort von den roten Sandsteinplatten aus Rajastan.

Hier sind wieder extrem viele Besucher, wir schwimmen am Eingang richtig mit dem Strom. Innen verteilen sich die Massen dann ziemlich schnell, es wird zunehmend ruhiger.

Von den vielen Erläuterungen zum Fort ist mir vor allem in Erinnerung geblieben, daß die äußeren Wege nicht eben, sondern stark ansteigend gebaut wurden. Dies deswegen, weil die angreifenden Elefanten nicht ihre ganze Kraft einsetzen können, wenn's bergauf geht.

Es ist sehr heiß in der Mittagssonne, wir sind froh über die vielen schattigen Plätze mit ihrer wunderschönen Architektur - hier wurde islamische und hinduistische Baukunst harmonisch vereint. Es gibt auch hier wieder sehr viel zu sehen und zu hören, aber wir sind schon etwas geschafft heute ...

Um 13 Uhr haben wir genug. Bevor wir allerdings zum Hotel zurückfahren, absolvieren wir die übliche Geschäftstour. Zuerst die "Marmorwerkstatt" - sehr schöne Stücke, die es aber auch später noch dort und da viel günstiger zu kaufen gab. Und zB  "Käseplatten" um umger. 175 Euro das Stück sind ohnehin nicht ganz unsere Preisklasse :-)

Auf weitere "Werkstätten" verzichten wir dann dankend und lassen uns zum Hotel zurückbringen. Sind von der Erkältung, mit der wir uns vor ein paar Tagen (ist die Fahrt nach Khajuraho tatsächlich erst 3 Tage aus ?) angesteckt haben, etwas anschlagen und rasten den Nachmittag über. Der Pool ist nicht sehr groß hier, da ist uns ein kleines Nachmittagsschläfchen lieber :-)

Am Abend gehen wir wieder ins Hotel-Restaurant essen, hier gibts zur Abwechslung auch mal was "Nicht-Indisches" wie Clubsandwiches. Auch das sehr gut ...

08.03. Fatehpur Sikri

Heute verlassen wir Agra und fahren um 8.30 Uhr los, hinaus aus der Stadt. Unser Guide von gestern begleitet uns noch bis ins ca. 40 km entfernte Fatehpur Sikri, eine gute Stunde Fahrt.

Hatten uns gar nicht viel von dieser Anlage, erbaut von Mogul Akbar, erwartet gehabt. Doch die gefällt uns ausgesprochen gut. Wohl auch, weil wir noch fast alleine hier sind, die Busgruppen treffen erst ein, als wir wieder weiterfahren.

Im beeindruckenden Königspalast bewundern wir wunderschöne Sandsteinarbeiten und schöne Gärten - und sogar ein paar Streifenhörnchen gibt es hier :-)

Einzig die Millionen von Mücken, die hier im Moment unterwegs sind, sind etwas lästig - die Kleidung ist voll damit. Lt. Guide sind die wegen der Blüte der Senfpflanzen in solchen Massen zu finden - erstaunlicherweise sind sie nur im Sonnenlicht aktiv. Sucht man Schatten auf, sind sie sofort weg.

Am Rückweg zum Auto schauen wir noch in eines der Geschäfte - unser Guide hatte uns eine rührselige Geschichte erzählt, wie arm die Menschen hier sind und wie kurze Zeit im Jahr mit den Touristen hier Geld verdient werden kann. So lassen wir uns halt breitschlagen und kaufen ein recht schönes Teelicht-Gefäß "garantiert aus Marmor". Es wird uns auch eindrücklich präsentiert, wie man ihn vom billigen Speckstein unterscheiden kann und wir sind echt überzeugt. Zurück im Hotel merken wir dann beim genauen Untersuchen, daß es trotzdem Speckstein war - also viel zu teuer gekauft. Wie üblich heißt es erstmal Lehrgeld zahlen - nun wir haben draus gelernt und später einfach nur mehr einen Bruchteil der verlangten Preise bezahlt. Schon sehr ärgerlich diese Praktiken, aber so gehts uns Touristen ja fast überall auf der Welt.

 Mit unserem Fahrer Pawan alleine geht es weiter Richtung Jaipur ...