Haridwar, heilige Stadt am Ganges -  17.-20.03.2013

17.03. Von Delhi nach Haridwar

Die Nacht im Zug war erträglich und der Zug ist pünktlich 6.30 Uhr an der Endstation in Delhi. Hätten wir uns gar nicht gedacht, daß das hier in Indien so toll funktioniert ...

Diesmal ist allerdings keiner da, der uns abholt. Doch ein Anruf bei Parvez genügt und schon wird Pawan auf den Weg geschickt und ist auch in einiger Zeit da - der bestellte Fahrer hatte uns offenbar vergessen gehabt, kann ja mal passieren ...

Pawan freut sich sehr, uns wieder zu sehen - für den Rest unserer Reise sind wir wieder mit ihm unterwegs. Endlos lang geht es durch die Stadt und die Vorstädte von Delhi - das meiste ist Autobahn, wir kommen ganz gut voran.

Doch dann geht es weiter über total verstopfte, oft grottenschlechte Straßen. Machen Stopp in einem "Family-Restaurant", einer indischen Kette. Total dreckig hier und wir trauen uns kaum, den Toast zu essen. Doch wieder mal geht es gut ...

Auf dieser Strecke gibt es wieder viel zu sehen. Vor allem die kunstvollen Hügel mit den "Heizfladen" (so nennen wir die mit Stroh vermengten Dungfladen, die zum Heizen benutzt werden) sind immer wieder faszinierend für uns - sowas haben wir auch noch nirgendwo sonst gesehen.
Und dann ist auch noch die Zuckerrohr-Ernte in vollem Gange. Unglaublich, was sich da tut! Die Ernte wird mit kleinen Traktoren, aber auch unzähligen Wasserbüffel-Gespannen eingebracht. Viele der armen Tiere haben von der Anstrengung Schaum vor dem Maul. Die Traktoren sind total überladen, oft berühren die Vorderräder gar nicht mehr die Straße ...

Kilometer für Kilometer geht es endlos langsam dahin, doch kurz vor 14 Uhr sind wir endlich in Haridwar angelangt.

Wie immer ist das Hotel total abgelegen - es gibt erst etwas Verwirrung, weil auf dem Voucher "Grant Vasant" steht, das Hotel aber "Grant Basant" heißt. Hatten schon gehofft, das wäre nicht das richtige Hotel, denn schon von außen sieht es nicht besonders vertrauenserweckend aus. Doch leider ist es das richtige Hotel, die Auswahl hier in Haridwar ist ja auch nicht besonders groß. Von innen sieht es genauso heruntergekommen aus, wie von außen. Doch das Zimmer ist ganz ok, recht groß und einigermaßen sauber. Auch Flat-TV, heißes Wasser und Aircon haben wir, was will man mehr, schließlich hatten wir ja Mittelklasse gebucht :-)

Gönnen uns erstmal eine Pause nach der langen Fahrt und vereinbaren mit Pawan, daß er uns um 17 Uhr wieder abholen soll, um in die Stadt zu fahren.

17.03. Erster Besuch am Har-Ki-Pairi-Ghat

Es sind nur 10 Minuten Fahrt zum Parkplatz beim Ghat, dem heiligsten Platz in der Stadt. Pawan will hier auf uns warten, wir sollen zurückkommen, wann wir wollen. Das ist ja mal was ...

Am Ghat ist schon sehr viel los, die ersten Gläubigen haben sich schon für das bei Sonnenuntergang stattfindende Ganga-Aarti versammelt.

Sofort ist der erste Spendeneintreiber da, der ganz den Eindruck vermittelt, man müßte hier Eintritt bezahlen. Doch wir hatten im Reiseführer davon gelesen und lehnen einfach nur dankend ab. Die unzähligen weiteren seines Schlages ignorieren wir dann irgendwann einfach.

Wir wandern etwas herum und überqueren die verschiedenen Brücken über den Ganges-Kanal. Es sind kaum ausländische Touristen zu sehen, hier sind vor allem indische Pilger unterwegs.

Es gibt einen großen Bazaar, wir gehen ein Stück und schlendern dann zurück zum Zeremonienplatz. Es ist mittlerweile voll geworden, wir suchen uns ein Plätzchen etwas weiter hinten. Um 18.40 Uhr geht es dann los. Die Zeremonie ist sehr ergreifend, kein Vergleich mit dem Touristenspektakel in Varanasi. Wir wollen auf jeden Fall morgen Abend nochmal herkommen und uns dann bessere Plätze für das Aarti suchen.

Für heute haben wir genug gesehen, es war ein langer Tag und wir gehen ohne Abendessen ins Bett ...

18.03. Badespass am Har-Ki-Pairi-Ghat

Das Frühstück ist fast ein Schock! Das "Restaurant" ist so unglaublich dreckig, daß wir uns nur Toast natur und Tee zu bestellen trauen. Auch der Lift funktioniert nur manchmal und immer wieder fällt der Strom aus. Gestern war beim Fernsehen eine Meldung gekommen, daß das Kabelfernsehen bald wegen Nichtbezahlung abgeschaltet wird - wir hoffen, daß das Hotel die 2 weiteren Nächte noch durchhält, ohne pleite zu gehen  :-)

Um 9 Uhr fahren wir wieder auf den Parkplatz beim Ghat. Pawan begleitet uns heute, denn er möchte unbedingt auch im Ganges baden. Der Badespaß ist auch schon in vollem Gange und auch Pawan hat seine helle Freude dabei. Eigentlich ist das Bad im Ganges ja eine Glaubens-Angelegenheit, aber hier hat man eher den Eindruck von Freibad-Spaß. Wir trauen uns zumindest mit den Füßen rein, das Wasser ist hier recht sauber aber ziemlich kalt - im Vergleich zu Varanasi wie Himmel und Hölle :-)

Machen uns dann auf zu einem Spaziergang durch den Bazaar und am Fluß entlang. Heute sind unzählige Bettler unterwegs und ein Leprakranker (der wirklich schrecklich aussieht!) verfolgt Franky eine Weile und will ihn immer wieder angreifen. Das macht ihm echt keinen Spaß - Franky, nicht dem Leprakranken :-) So laufen wir bis Mittag herum und fahren dann Richtung Hotel Grant Vasant. Ca. einen Kilometer weiter ist das wohl einzige vernünftige Hotel der Stadt, das Country Inn. Dort essen wir zu Mittag - sauteuer hier (vor allem das Bier und die Softdrinks), aber echte, risikolose Alternativen haben wir in Haridwar sonst nicht gesehen.

Nach einer Mittagsrast fahren wir um 16 Uhr noch ein Stück nach dem Country Inn zum örtlichen Nationalpark. Fragen wegen einer Safari, doch die sind echt unverschämt mit den Preisen (meint Pawan). Nachdem wir ja ohnehin als nächste Station den Jim Corbett Nationalpark am Plan haben, verzichten wir.

Dann zeigt uns Pawan seinen Lieblingstempel - uns erscheint er schrecklich kitschig, aber mit der Zeit gewohnt man sich dran ...

18.03. Aufstieg auf den Tempelberg

Dann gehts wieder zurück zum Gangeskanal. Oberhalb der Stadt gibt es den Siwalik-Hügel mit dem Tempel der Manasa Devi. Es geht eine Seilbahn hinauf, doch wir beschließen, einfach mal ein Stückchen zu Fuß zu gehen.
Der Aufstieg ist nicht angenehm. Unzählige Stufen durch Müll und Dreck und Gestank, doch der Ausblick von oben belohnt für die Mühe!

18.03. Ganga Aarti

Dann machen wir uns auf, um noch einen guten Platz für das Ganga Aarti zu bekommen. Die Leute sind total freundlich und ich bekomme sogar einen Sitzplatz angeboten, den ich aber gerne einer alten Dame überlasse. Heute ist es noch schöner als gestern, weil wir einen besseren Blick drauf haben. Vor allem die Musik gefällt mir, zuhause haben wir das Lied "Jai Gange Mata" dann auch gleich online gekauft, toll wie einfach heute sowas ist ...

Aufs Abendessen verzichten wir wieder, wir haben ja noch einen Rest Schokolade von zuhause mit, der Lückenbüsser, wenns keine entsprechenden Restaurants gibt ...