Jim Corbett Nationalpark -  20.-22.03.2013

20.03. Von Haridwar zum Jim Corbett NP

Heute ist wieder Fahrtag. Wir können nicht behaupten, nicht gern von dem Hotel in Haridwar wegzukommen :-)

Diesmal können wir Pawan dazu bewegen, öfters mal stehenzubleiben, um Land und Leute etwas genauer betrachtenzu können und auch in Ruhe mal ein paar Fotos machen zu können. Er dürfte wohl die Strecke zum Jim Corbett NP etwas unterschätzt haben ...

Haben wieder Probleme, einen funktionierenden ATM zu finden, aber in einer größeren Stadt auf der Strecke kommen wir doch wieder zum dringend benötigten Geld. Pawan kauft uns dann auch noch Bananen und Mandarinen für unterwegs, diesmal liegt kein Touristenrestaurant auf der Strecke.

Der Verkehr ist meist höllisch, die "Single-Road" in recht schlechtem Zustand. Als wir dann glauben, jetzt kann es ja nicht mehr weit sein sehen wir auf einem Verkehrsschild "Jim Corbett 106 km". Pawan hat es auch gesehen, er meint nur "Oh my god!!" - und wir können uns dieser Aussage nur anschließen :-)

Doch es gibt ja so viel zu sehen unterwegs. Malerische kleine Dörfer, Kinder auf dem Schulhof. Und die "indischen Schulbusse" sind auch eine Sensation: Mal ein Fahrrad mit Anhänger, mal ein Ochsenkarren, mal ein Wasserbüffelgespann - Not macht erfinderisch ...

Szenen wie aus einem Bilderbuch gibt es da zu sehen. Die Zuckerrohrernte mit den vielen buntgekleideten Frauen ist schon ein toller Anblick. Pawan besorgt sich dann auch noch Reiseproviant in Form von ein paar Zuckerrohrstangen. Er ist total sparsam, jede Rupie wird für Frau und Tochter in der Heimatstadt nahe Varanasi zurückgelegt.

Irgendwann haben wir auch die letzten hundert Kilometer geschafft und erreichen Ramnagar, direkt beim Jim Corbett Nationalpark. Das gebuchte Resort Corbett Machan zu finden ist sehr schwierig und funktioniert erst nach einem Anruf dort und ein paarmal fragen. Es liegt ja auch nicht dort, wo alle anderen Resorts sind, sondern auf der anderen Seite der Stadt. Pawan ist entsetzt, das ist ja total abgelegen und einfach!!
Da muß er sich unbedingt bei Parvez beschweren, meint er. Doch wir beruhigen ihn erstmal, denn uns gefällt das Resort auf den zweiten Blick ganz ausgezeichnet!

20.03. Corbett Machan Resort und Umgebung

Das Resort ist zwar recht einfach, aber die Bungalows sind ok und es liegt mitten in einem Dorf - wo hat man das denn schon mal? Der Pool wird gerade renoviert, aber zum Baden haben wir ja gar keine Zeit - denn wir wollen gleich mal die Umgebung erkunden!

Vorher müssen wir aber an der Rezeption die Planung für die nächsten 2 Tage mit Safaris usw. abklären. Das ist leider nicht so einfach, denn der Rezeptionist versteht nicht sonderlich gut englisch und ich versteh' ihn einfach fast überhaupt nicht ...
Wir kommen dann doch so gut zusammen, daß wir erfahren, wie es mit den Safaris aussieht. Ich kann ihn nicht davon abhalten, daß wir Lunch serviert bekommen - da versteht er wieder mal überhaupt nichts :-) Der Lunch ist ganz gut, verschiedene Saußengerichte mit Reis und Naan-Brot.  Ist sehr einfach hier, scheint aber sauber zu sein, denn auch hier haben wir keine Probleme mit dem Essen - wir müssen also auch morgen nicht verhungern ...

Und dann kann es endlich losgehen zur Erkundung der Umgebung. Wir gehen einfach mal auf gut Glück los, doch wir sind gerade mal zwei Minuten unterwegs, hat uns Pawan auch schon eingeholt. Er läßt sich auch nicht davon abbringen, uns zu begleiten.  Kurz hängen wir ihn ab, als wir aber seine verzweifelten Rufe hören, haben wir doch Mitleid ... Ich erkläre ihm, wir wären ja schon alt genug, um alleine loszugehen - er meint darauf nur, er wäre jetzt auch alt geworden, so einen Schreck hätte er bekommen, als er uns nicht mehr gesehen hatte.

So kommen wir also nach einer Weile an den Fluß, den wir auf der Fahrt hierher schon gesehen hatten. Ein Paradies hier! Auf einer Weide grasen Wasserbüffel, am Fluß gibt es unzählige Vögel, Blumen und Schmetterlinge. Am Rückweg unterhält sich Pawan noch mit einem alten Mann, der den Zaun des Dorfes repariert. Er erzählt ihm, daß in der vorigen Nacht wilde Elefanten ins Dorf eingebrochen sind und die Felder beschädigt hatten. Man hatte sie aber gleich verjagt und wir sehen nicht sehr viele Schäden.

Zurück im Resort sehen wir uns noch etwas das Leben im Dorf an. Das Resort ist mit einem hohen Zaun umgeben, wir kommen uns fast vor als wären wir die Attraktion in einem Zoo. Wir sind ja auch die einzigen Nicht-Indischen Gäste hier und die Kinder klettern auf Bäume, um uns besser sehen zu können :-) So brauchen wir aber auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir die Menschen auch etwas genauer beobachten ... Das Dorfleben spielt sich hier wirklich fast vor unserer Nase ab, schon ein besonderes Erlebnis für uns.

Wir verzichten wieder mal aufs Abendessen, sind vom späten Lunch noch total satt. Morgen heißt es um 5.30 Uhr aufstehen, Morgensafari steht am Programm ...

21.03. Morgensafari im Corbett NP

Die Nacht war nicht angenehm. Hatten gestern unser mitgebrachtes Moskitonetz noch aufgestellt, weil wir kein Risiko mit irgendwelchen Krankheiten eingehen wollen, haben doch einige Moskitos im Bungalow gesehen. Es war recht laut heute, Hunde haben gebellt, Schüsse waren zu hören. Müssen wohl wieder die Elefanten dagewesen sein ...

Um 5.30 Uhr aufzustehen ist nicht angenehm - doch die Tiger im Nationalpark warten ja schon auf uns :-)

Kurz nach 6 Uhr kommt ein Jeep für uns allein - welch angenehme Überraschung nach dem überfüllten Jeep in Ranthambore.

Fahren zum Gate in der Stadt, die Formalitäten vor der Einfahrt dauern ewig! Am Tor steigt auch noch ein Guide zu und endlich kann es losgehen. Nach ein paar Kilometern auf einer recht guten Piste kommen wir schon wieder an einen Checkpoint - und der Guide meint allen Ernstes, wir könnten hier jetzt gemütlich Kaffeetrinken gehen! Gibts doch gar nicht ... Wir reagieren ziemlich sauer und erklären ihm, daß wir schließlich nicht zum Kaffeetrinken hier sind, sondern weil wir Tiere sehen wollen! Nun ja, der Fahrer muß seinen Kaffee schon noch trinken, dann geht es endlich los ...

Die Fahrt ist trotzdem schön, wir überqueren ein paar Wasserläufe und sehen viele Tiere: Sambahirsche, Axishirsche, Hanuman Languren und jede Menge verschiedener Vögel. Und dann endlich eine Tigerspur! Guide und Fahrer bemühen sich wirklich, die dazugehörigen Katzen aufzutreiben, angeblich sind es ja ein Weibchen und ein Männchen, die getrennt unterwegs sind. Sogar den Warnruf eines Hirsches hören wir - doch die Tiger sehen wir wieder nicht. Wäre auch ein großer Zufall, bei dem dichten, hohen Gras und Gebüsch überall. Vielleicht war alles ja auch nur Touristen-Show, wenn dann auf jeden Fall recht spannend gemacht :-)

Wir sind auch nicht mehr enttäuscht, es ist auch so sehr schön hier. Plötzlich bekommt der Fahrer es eilig und ruckzuck sind wir wieder draußen. Um 9.30 Uhr sind wir zurück im Resort - im Endeffekt hat die Safari nur 1,5 Std. gedauert - nicht gerade lang, finden wir.

Im Resort wartet ein erstaunlich gutes Frühstücksbuffet auf uns - das ist genau das Richtige jetzt!

22.03. Relaxen im Resort

Pawan hat sich gegen Mittag hingelegt, das nutzen wir aus, um endlich mal in Ruhe alleine losziehen zu können. Den Weg zum Fluß kennen wir ja schließlich und so können wir die Natur pur hier noch viel besser genießen.

Wir wandern etwas am Fluß entlang, das Wasser ist sehr sauber und lädt zum Baden ein. Allerdings ist es ziemlich kalt ...

Heute sehen wir noch viel mehr Tiere als gestern, vor allem ein paar Rhesusaffen und unzählige wunderschöne Vögel. Und überall blühen die Wandelröschchen wunderschön orange, sind fast wie Unkraut hier.

Es wird immer heißer und so gehen wir langsam zurück ins Resort. Etwas rasten kann nicht schaden, auch im Dorf ist es sehr ruhig jetzt.

Wir hatten schon gestern erfahren, daß wir nachmittags eine Elefantensafari haben. Allerdings nicht im Nationalpark, wie erwartet, sondern außerhalb des Parks. Für nur eine Parksafari so weit zu fahren, gefällt uns gar nicht und so haben wir versucht, für morgen früh eine weitere Jeepsafari zu bekommen. Keine Chance meint der Rezeptionist, die wären auf Monate im Voraus ausgebucht - und so ist unsere letzte Hoffnung Parvez. Er verspricht, sich darum zu kümmern, mal sehen ...

21.03. Elefantensafari am Nachmittag

Pawan fährt uns zum Startpunkt der Elefantensafari an der "Resort-Meile". Praktisch, daß wir unser eigenes Auto mit Fahrer haben ...

Kurz nach 16 Uhr sind wir da, der Elefant wartet schon auf uns. Eigentlich ist es ja eine Elefantendame, sie heißt Rani (Königin) und ist 20 Jahre alt. Recht jung für einen Elefanten, wie wir hören - denn die können ja bis zu 100 Jahre alt werden.

Im Vergleich zum Elefantenritt in Jaipur ist die Sitz-Plattform hier relativ bequem. Wir sitzen Rücken an Rücken und haben ein Brett für die Füße. So ist das ganz angenehm ...
Unsere erste Elefantensafari hatten wir ja in Nord-Thailand, das war nochmals um einiges bequemer.

Und schon gehts los, direkt hinein in einen Graben, der zum Fluß hinunterführt. Wir überqueren den Fluß, das gefällt Rani natürlich und sie spritzt mit Rüssel und Schwanz das Wasser in der Gegend herum. Dann marschieren wir im Dickicht den Fluß entlang. Ab und zu sieht man ein scheues Reh vorbeiflitzen, sonst gibts nicht viel zu sehen. Die Elefantensafari, die es im Nationalpark gibt, ist natürlich ganz ein anderes Erlebnis - schade, daß wir diese nicht bekommen haben! Hätten wir noch nachfragen sollen bei der Buchung, aber das weiß man ja wie üblich nicht im Voraus.

Trotzdem ist es ein schönes Erlebnis, so hoch oben mitten durchs Gestrüpp zu reiten. Es ist erstaunlich, wie wendig das riesige Tier ist wenn es irgendwo nicht mehr weiter geht. Ein bißchen "Jägerlatein" gibt es auch, wir sehen eine halbangefressene Kuh, die angeblich von einem Tiger erlegt wurde und ein Wildhundskelett (natürlich auch Tigerbeute).

Kurz vor 18 Uhr sind wir wieder zurück, schön wars ...

Unterwegs zurück ins Resort halten wir immer wieder Ausschau nach Tieren. Pawan hatte im Dorf gehört, daß hier tatsächlich ab und zu Tiger unterwegs sein sollen. So überredet er uns dazu, daß wir um 20 Uhr noch eine Runde fahren - ein privater Nightdrive sozusagen. Er hat sogar eine starke Taschenlampe mit und wir leuchten überall damit herum. Natürlich haben wir keinen Tiger gesehen, lustig war es trotzdem!

Zurück im Resort die angenehme Überraschung - Parvez hat es geschafft, eine Morgensafari zu organisieren, morgen 5.30 Uhr soll es wieder losgehen - toll!!!

Um 21 Uhr gibts dann Dinner-Buffet. Auch wieder recht gut, aber irgendwann schmeckt einfach alles gleich beim indischen Essen ...

22.03. Morgensafari im Corbett NP

Das Moskitonetz hat sich wieder bewährt und ruhiger ist es heute auch - eine erholsame Nacht. Unerbittlich piepst der Wecker um 5.30 Uhr, gleichzeitig läutet auch wieder das Haustelefon, da kann man sich kaum verschlafen ...

Unser Jeep wartet schon an der Rezeption, wieder haben wir ihn für uns allein. Wir fahren erst in die Stadt und brauchen 20 Minuten, bis unser Fahrer das Permit und einen Guide besorgt hat. Dann gehts quer durch die Stadt bis zu einem anderen Gate, nach den üblichen Einfahrtsformalitäten ist schon eine Stunde nach der Abfahrt vergangen. Aber wir hatten schon auf der Fahrt hierher die ersten Tiere gesehen: Wildschweine, Bienenstöcke, Tokos und Pfauen.

Auch im Park dann wieder viele Tiere und schon nach einer halben Stunde die Sensation: Eine kleine Herde Wildelefanten direkt neben der Piste im Gebüsch. Einer kommt dann sogar noch heraus, um sich fotografieren zu lassen, echt nett von ihm :-)

Und kurz vor der Ausfahrt zum Schluß dann noch eine größere Sensation: Eine riesige Herde Wildelefanten kreuzt direkt vor uns den Weg! Es sind an die 40 Tiere mit einer Menge Babies und Jungtieren in allen Altersstufen dabei. Ein tolles Erlebnis, wenn wir schon wieder keinen Tiger gesehen haben ...

Wir verzichten auf die Kaffeepause am Tor und fahren zurück ins Resort. Heute wollen wir ja wieder zurück nach Delhi fahren. Kurz vor 10 Uhr sind wir wieder zurück. Schnell alles zusammengepackt, Frühstück vom Buffet und schon kann es losgehen ...