Blue City Jodhpur  -  13.-15.03.2013

13.03. Von Pushkar nach Jodhpur

Eigentlich könnten wir heute ja mal ausschlafen, doch Franky steht schon um 7 Uhr auf, um sich draußen umzusehen. Wieder ein traumhafter Tag heute, wie jeder bisher auf dieser Reise. Man gewöhnt sich schnell dran, doch permanent schönes Wetter ist ja schließlich nicht selbstverständlich auf Reisen. Wenn wir da zB an unsere Vietnamreise denken, wo wir im Norden nur einmal ein paar Stunden Sonnenschein hatten ...

Das Frühstück um 8 Uhr ist sehr gut. Toast und Omelett wie üblich und dazu jede Menge Früchte. Auf die müssen wir leider verzichten (wir halten diesmal das Motto "peel it, boil it, cook it, or forget it" streng ein, was sich auch bewährt hat). Unter dem Buffet lebt die Hauskatze Janwin, sie ist niedlich und die Kellner kümmern sich recht nett darum. Aber streicheln ist auch tabu - nachdem ich mir mal in Norwegen einen Floh geholt hatte, streichle ich nur mehr Katzen und Hunde, die ich kenne :-)

Um 9 Uhr geht es los Richtung Jodhpur. Die Gegend ist sehr trocken und wenig besiedelt. Die Straßen sind mittelprächtig. Heute nur Landstraße, aber der Verkehr hält sich in Grenzen. Fahren kurz mit einer Hochzeitsgesellschaft mit, vorne ein Lautsprecherwagen und dahinter jede Menge Mopeds und ein paar Autos. Hier in der Gegend leben viele Moslems, erzählt uns Pawan. Die meisten Hindi mögen die Moslems nicht, weil sie keine Achtung vor den Frauen haben, haben wir erfahren. Wir hatten gar nicht gewußt, daß es in Indien so viele Moslems gibt, aber die verschleierten Frauen sind allgegenwärtig. Manche davon sind so verhängt, daß wir uns wundern, wie die sich überhaupt gefahrlos in dem höllischen Verkehr hier bewegen können - unglaublich!

Schon um 13 Uhr erreichen wir Jodhpur. Das ist wieder eine sehr große Stadt und unser Hotel liegt wie meist ziemlich im Abseits. Das würden wir bei einer weiteren Reise ändern, die Hotels könnten etwas zentraler sein (falls es denn solche in Indien überhaupt gibt).

Auch das heutige Hotel ist sehr schön - das Shreeram International ist zwar ein großes Hotel, aber recht nett. Nur 2stöckig und im Fort-Stil gebaut mit Garten und Swimmingpool. Die Zimmer groß und recht gut ausgestattet, sogar einen kleinen Balkon mit Blick auf den Pool haben wir. Nur das Bett ist hart wie ein Brett, aber das ist ja nichts Neues in indischen Hotels.

Pawan war nicht glücklich über unseren Vorschlag, heute noch ohne Guide in die Stadt zu fahren. Er hat wie immer Sorge, daß uns allein was passiert ... Also gehen wir erstmal Mittagessen ins Hotel-Restaurant. Hier gibts nur Vegetarisch, macht uns aber nichts. Wir haben ohnehin sehr selten Chicken gegessen - seit wir einen Fernsehbericht über die Hühnerzucht gesehen haben, schmeckt uns das auch nicht mehr wirklich so gut und zuhause verzichten wir komplett darauf ...
Essen wieder mal die Vorspeisenplatte mit verschiedenen veg. Kebabs, Kartoffeln mit Gewürzen und Kräutern und Nudeln mit Knoblauch. Sehr reichlich und geschmacklich sehr gut!

So liegen wir den Rest des Tagen einfach nur faul herum, schwimmen mal eine Runde im Pool, den wir für uns allein haben und verzichten wieder aufs Abendessen - ist ohnehin zu heiß dafür ...

14.03. Fort Mehrangarh

Zum Frühstück gibts hier fast ausschließlich indische Gerichte, leider auch keine Eier. Dafür aber gebackene Bananen und Pancakes - wir müssen also doch nicht verhungern :-)

Um 8.30 Uhr steht wieder mal ein neuer Guide vor der Tür. Wir fahren gleich zum Fort Mehrangarh, bevor es allzu heiß wird. Jodhpur ist ja nicht nur die "blue city" (wegen der vielen blauen Häuser), sondern auch die "sun city" (im Juni/Juli hat es hier zwischen 45 und 50 Grad). Auch heute hat es wieder über 30 Grad.

Das Fort ist schon von Weitem sehr beeindruckend - es thront wie die meisten derartigen Anlagen auf einem Felsen und man hat von dort oben einen tollen Ausblick über die Blaue Stadt. Angeblich sollte man ja irgendwann mal festgestellt haben, daß die Farbe blau die Hitze besser von den Häusern abhält - und auf Befehl des damaligen Maharadschas wurden die Häuser dann entsprechend gestrichen.

Jodhpur ist anders als die anderen Städte, betont unser Guide immer wieder. Das merken wir auch gleich beim Eingang zum Fort, weil hier die Gebühren fürs Fotografieren und Filmen wesentlich höher sind als bisher ...
Ist doch voll gerecht - meint unser Guide auf unsere Kritik - wenn man nicht fotografieren will, braucht man auch nichts zu bezahlen. Oder einfach mit einem Handy fotografieren, das kostet momentan noch nichts. Na ja, auch ein Argument :-(

Das Fort ist sehr beeindruckend. Es gibt jede Menge Ausstellungsräume zu besichtigen - Audienzraum, Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Waffen- und Kleidersammlungen und sogar eine Sammlung von Babywiegen. Auch eine berühmte Sammlung von Sänften und von Miniaturmalereien gibt es.

Wunderschön die unzähligen feinen Steinmetzarbeiten aus Sandstein mit wunderbar filigranen Details. Wirklich sehr beeindruckend hier! Und dazu hat man immer wieder einen tollen Blick über die ganze Stadt.

Es gibt eine Vorführung, bei der gezeigt wird, wie ein Turban gewickelt wird. Irre lang, so ein Tuch, kaum zu glauben ...

14.03. Jaswant Thada

Gleich neben dem Fort liegt das Mausoleum Jaswant Thada. Ein wunderschönes, weißes Marmorgebäude, welches für den Maharadscha Jaswant Singh von seiner Frau errichtet wurde. Hier ist es schön ruhig im Moment, kaum Touristen da. Der anfängliche Ehrgeiz unseres Guides hat schon wieder merklich nachgelassen, wir dürfen uns jetzt einfach allein umsehen. Es ist mittlerweile schon recht heiß geworden, der Mittag naht in Riesenschritten.

14.03. Mandore Gardens

Wir wollen eigentlich mal "Mittagspause" machen, doch unser Guide meint, wir müssen jetzt noch die Mandore Gardens besichtigen, da sind wir schon ganz in der Nähe seien. Na, wenn er meint ...

Ist zwar nicht unbedingt toll, in der Mittagshitze hier herumzulaufen, aber der Garten ist recht schön. In einem Tempel sind aus Sandstein die 15 Figuren der wichtigsten Götter und Helden Shiva, Brahma, Vishna, Rama und wie sie alle heißen herausgehauen. Recht kitschig für unseren Geschmack, aber den Einheimischen gefällt's.

Der Garten ist einer der schönsten hier in Jodhpur und hat durch die wunderschönen roten Sandsteingebäude einen historischen Touch. Die erinnern uns sehr an die Tempel in Khajuraho - ist das wirklich erst eine gute Woche aus ?

Natürlich wäre es netter, hier am späten Nachmittag herzukommen - aber das weiß man ja vorher nie ...

So halten wir uns nicht allzulange auf, es ist einfach zu heiß und Schatten gibts nicht viel. Dann geht es zurück ins Hotel. Ganz in der Nähe ist das Restaurant "On the Rocks", das uns der Guide unbedingt empfiehlt. Diesmal war die Empfehlung auch berechtigt, wir sitzen in einem schönen Innenhof-Garten und das Essen ist ausgezeichnet - und sogar die Preise sind erträglich (umger. 13 Euro für 2 Essen mit 3 Getränken).

Haben jetzt eine Pause im Hotel "ausgehandelt", bevor wir um 16 Uhr losfahren sollen in die Altstadt. Natürlich wäre es den Guides lieber, alles gleich in einem Stück durchzuziehen, aber wozu haben wir denn dann eine Individualreise gebucht?!?
Anfangs waren wir nachgiebiger, mittlerweile sind wir schon etwas durchsetzungsfähiger geworden - man lernt ja schließlich dazu :-)

Die paar Stunden im Hotel sind angenehm, wir haben auch den Pool wieder ganz für uns allein - so soll Urlaub sein ...

14.03. Sadar Market

Pünktlich um 16 Uhr fahren wir wieder los in die Altstadt. Wir sind schon recht froh, daß alles so reibungslos abläuft, denn wir finden es ätzend, ständig irgendwo herumzusitzen und auf jemanden zu warten.

In der Altstadt gibts den bekannten Sadar Market mit seinem Glockenturm. Wir gehen erstmal eine Runde mit dem Guide, der schleppt uns natürlich zu seinen Geschäftspartnern. Das "Warehouse" stellt sich als Textilladen heraus, wie immer bei solchen Gelegenheiten kaufen wir hier nichts.

Damit wir nicht den Rest des Tages in überteuerten Geschäften verbringen müssen, vereinbaren wir mit dem Guide, daß wir nun für eine Stunde allein herumlaufen möchten. Er ist nicht glücklich drüber, aber er will beim Auto auf uns warten, weil er noch ein tolles Angebot für ein Gewürzgeschäft hat. Auch gut ...

So sehen wir uns alleine um, das ist wirklich fantastisch hier! Überall diese Farbenpracht, sei es bei den bunten Kleidern oder den farbenprächtigen Lebensmitteln - ein Fest für's Auge! Gewürze haben wir bei Gewürzhändler M.V. Spices gekauft (direkt am Marktplatz etwas versteckt), der wird im Lonely Planet empfohlen. Die Gewürze sind auch wirklich fantastisch gut, kein Vergleich mit dem Zeugs, das man bei uns zuhause bekommt und man braucht nur einen Bruchteil davon, um den gleichen Geschmack zu bekommen.

Hier könnte man den ganzen Tag verbringen und die Stunde ist im Nu um. Beim Rückweg zum Parkplatz kommt uns Pawan schon entgegen, er hatte sich wieder mal Sorgen um uns gemacht, weil wir etwas Zeit überzogen haben :-)

Der Guide sieht sofort, daß wir schon Gewürze gekauft haben und zieht enttäuscht ab, Pech gehabt ...

Kurz nach 18 Uhr sind wir schon zurück im Hotel. Gehen noch ins Restaurant auf ein Abendessen und ein paar Drinks. Hier gibts Bier, selbstverständlich ist das ja in Indien nicht überall ...