Ranakpur + White City Udaipur  -  15.-16.03.2013

15.03. Von Jodhpur nach Ranakpur

Heute können wir schon wieder ausschlafen - müssen erst um 9 Uhr losfahren. Bei dem ultraharten Bett sind wir aber eher erleichtert, aufstehen zu können :-)

Überpünktlich wie immer gehts los. Dauert ewig, bis wir aus der Stadt raus sind, schon recht groß dieses Jodhpur.

Auch unser Fahrer Pawan hat seine Kontakte zur Geschäftsszene, wir machen Einkehr bei einer Familie, die Teppiche herstellt. Ob die nun tatsächlich von dort kommen ist fraglich, aber sie sehen auf jeden Fall handgemacht aus. Sie sind aus Kamelwolle und recht kratzig, aber wir lassen uns doch erweichen, einen ca. 2x1 m großen Teppich um umgerechnet 28 Euro zu kaufen.

Die Strecke bis Ranakpur ist ziemlich langweilig, einzige Abwechslung ein LKW, der Unmengen von Textilien verloren hat - unglaublich, was die hier aufladen ... Zu Mittag sind wir dann in Ranakpur, hier ist kräftig was los ...

15.03. Ranakpur Jain Tempel

Hier findet man sich einfach allein zurecht, man braucht man nur den Busgruppen nachzugehen. Da läßt uns Pawan auch guten Gewissens alleine losziehen :-)

Wir hatten uns gar nicht viel erwartet, war auch eine Erweiterung unseres Planes von Parvez, Ranakpur zu besuchen. Noch ein Tempel mehr hatten wir gedacht - doch dieser hier hat schon einiges zu bieten!

Sehen uns zuerst einen kleineren Tempel an, hier ist kein Mensch, obwohl auch er wunderschön ist. Doch der Adinatha geweihte Haupttempel ist fantastisch! Gehen erstmal eine Runde herum, schon von außen sehr beeindruckend. Und von innen ist er einfach unbeschreiblich schön. Für uns der schönste Tempel dieser Reise ...

Die Sicherheitsvorkehrungen sind zwar lästig (Franky mußte sogar den Gürtel draußenlassen) und die Gebühren für Foto und Video ganz schön hoch (hier zahlt man auch schon für ein Handy), aber das lohnt sich allemal.

Unzählige Säulen gibt es hier - insgesamt sind es 1444, die alle mit wunderschönen Ornamenten unterschiedlich gestaltet sind. 24 Säulenhallen sind mit 80 Rundkuppeln überdeckt. Der Tempel ist aus Marmor, auch die Wandflächen sind mit detailreichem Figurenschmuck überzogen. Von der Gestaltung her übertrifft er alle anderen Jaintempel und jetzt im Licht der Mittagssonne kommen die Details besonders gut zur Geltung.

Können uns nur schwer trennen, haben aber heute noch einen weiten Weg vor uns.

15.03. Weiter nach Udaipur

Quer durchs Gebirge geht es weiter, sehr eng und kurvig die Straße. Wie die großen Busse hier gefahrlos fahren können, ist uns ein Rätsel - es ist kaum Platz für 2 Autos ...

Mittagessen in der Touristenfalle. Schweineteuer und nicht sonderlich gut, doch den Bustouristen scheints zu schmecken und keiner meckert über die Preise - wo die wohl überall hingefahren werden zum Essen, wenn die sowas in Ordnung finden?
Nur die Aussicht von der Restaurantterrasse ist recht nett, angeblich soll es hier sogar noch wilde Tiger geben ...

Pawan ist schon etwas gestresst und hat nicht recht die Nerven dafür, noch oft anzuhalten. Er muß morgen um 3 Uhr früh losfahren nach Delhi, wir fahren erst am Abend mit dem Nachtzug aus Udaipur. Übermorgen früh sind wir dann wieder vereint - da geht es dann los in den Norden.

Um 16.30 Uhr erreichen wir Udaipur. Unser Hotel Swaroop Vilas liegt wie immer bisher, ziemlich im Abseits. Aber es ist toll, ganz im Palaststil gebaut, mit Swimmingpool auf einer Terrasse und die Zimmer sind sehr schön eingerichtet. Die schönsten Zimmer bisher ...

Wieder mal kommt der örtliche Vertreter der Agentur vorbei und rattert im Eiltempo das Programm für morgen runter. Wir haben diesmal Fahrer und Guide, von Pawan haben wir uns ja schon verabschiedet. Wir stellen das Programm gleich nach unseren Vorstellungen um, das wird zwar nicht mit Begeisterung aufgenommen, aber zumindest widerwillig akzeptiert. Ruckzuck ist der Mann wieder verschwunden und wir überlegen, was wir mit dem Rest des Abends anfangen.

Einen Spaziergang brechen wir schnell wieder ab, außer Müll und Lärm gibts hier nichts. Aber wir haben gratis WLAN und so nutzen wir die Zeit, wieder mal ein paar Mails an unsere Lieben zuhause zu schreiben.

Um 18.30 Uhr gehen wir auf die Terrasse des Hotels auf einen Drink und anschließend zum Abendessen. Sehr schön hier und das Essen wieder ausgezeichnet. Was für ein irrer Unterschied zu dem Touristenrestaurant mittags, wenn die Bustruppen da nichts anderes bekommen, sind sie echt zu bedauern ...

Essen wieder mal die bewährten Tandoori-Platten, einmal vegetarisch, einmal mit Hühnchen - dazu Knoblauch-Naan und Bier, unsere Lieblingskombination.
Das Bett hier ist endlich wieder richtig angenehm, das tut gut nach der langen Fahrt ...

16.03. Bootsfahrt am Pichola-See

Der Sonnenaufgang über dem See aus unserem Fenster ist wunderschön - was für ein Start in den Tag! Das Frühstück ist auch ok, unser Standardprogramm Toast und Omelett halt. Essen sogar ein paar Früchte dazu, Bananen sind ja kein Problem ...

Werden pünktlich um 9.30 Uhr abgeholt - Überraschung, der heutige Guide spricht deutsch! Sonst ist er aber ziemlich muffig - aber wir dürfen nicht vergessen, keine negativen Bemerkungen über ihn zu machen, weil er uns ja versteht :-)

Wie gestern vereinbart, fahren wir gleich zum Citypalast. Von dort startet ja auch die Bootsfahrt am Lake Pichola. Schätzen jetzt wieder unser "eigenes Auto" mit Pawan, das Auto hier ist schon ziemlich heruntergekommen und der Fahrer recht mürrisch.

Die Bootsfahrt startet um 10 Uhr und ist ganz nett. Das Boot ist voll, halb Europa ist hier vertreten ...

Wir fahren erst eine Runde am Ufer entlang, man kann die Leute beim Baden oder beim Wäschewaschen beobachten. Muß schon seltsam sein, wenn man so "im Schaufenster" leben muß. Es gibt hier am See jede Menge Luxushotels, eines schöner als das andere. Aber halt nicht ganz unsere Preisklasse ...

Dann fahren wir zur Palast-Insel. Dort haben wir 20 Minuten Aufenthalt und müssen dann wieder zurückfahren. Das hatte uns der Guide noch eingebleut - eigentlich hätten wir aber mit jedem nächsten Boot auch zurückfahren können, merken wir später.

Aber 20 Minuten reichen uns ohnehin für einen Rundgang auf der kleinen Insel, recht nett angelegt der Terrassengarten mit den vielen Statuen.

Dann gehts zurück zur Anlegestelle beim City-Palast - zu diesem gehen wir anschließend zu Fuß weiter.

16.03. City Palast

In ein paar Minuten sind wir da. Diesmal verzichten wir auf die Foto- und Filmgebühren und geben die Geräte ab. Schadet echt nichts, sich zwischendurch mal auf das Betrachten der Dinge zu konzentrieren, statt wie besessen nach Fotomotiven Ausschau zu halten - sollte man öfter machen, stellen wir fest ...

Hier gibt es total viel zu sehen, wir müssen unseren Guide wirklich kräftig einbremsen. Der hat schon wieder den Überstress, um nur ja noch seine Geschäfte abwickeln zu können. Aber wir lassen uns echt Zeit, alles in Ruhe zu genießen, macht ihn etwas nervös :-) Vor allem die Miniaturmalereien hier sind sehr sehenswert, auch wunderschöne Glas-Einlegearbeiten und Steinmetzarbeiten gibt es. Es sind sehr viele Leute hier, in manchen Räumen kann man kaum umfallen. Und das am Ende der Saison, wie muß es hier wohl zur Hauptreisezeit zugehen?

Irgendwie schafft unser Guide es dann doch, uns vor den Gruppen rauszubringen, hat wohl eine Abkürzung genommen ... Mittlerweile sind tatsächlich Wolken aufgezogen, das erste Mal auf dieser Reise! Wir gehen zu Fuß ein Stückchen zum nächsten Ziel, dem Jagdish-Tempel.

16.03. Jagdish-Tempel

Den könnte man nun wirklich weglassen, aber wenn wir schon mal da sind ... Mittlerweile sind die Wolken dunkel geworden und es fängt doch tatsächlich leicht zu regnen an - kaum zu glauben! Der erste Regen heuer, erfahren wir - offenbar muß das so sein, wenn wir irgendwo hinreisen ... Wir überlegen, wann wir das letzte Mal eine Reise ohne einen Tropfen Regen erlebt haben - doch offenbar reisen wir zuviel, denn wir kommen nicht drauf :-)

Aber zurück zum Tempel - ein kleines Gebäude, in dem ein paar ältere Damen beim Gebet sitzen und andächtig singen. Wir wollen da auch gar nicht stören und halten uns nicht lange auf.

Zu Fuß gehen wir zurück zum Citypalast, hier werden wir mit dem Auto wieder abgeholt.

16.03. Puppenmuseum

Unser Guide hat schon wieder jegliche Motivation verloren und will uns zum Mittagessen und in die obligatorischen Geschäfte bringen. Doch auf unserem Plan steht das "Local-folk-Museum". Das sei nur ein Puppenmuseum, wo es gar nichts zu sehen gibt, nur was zu kaufen, meint unser Guide.

Macht nichts, meinen wir und so fahren wir trotzdem hin. Das begeistert ihn sichtlich und widerwillig schleift er uns ohne jegliche Erklärungen durch die Ausstellungsräume. Ein paar Puppen-Szenen aus dem täglichen Leben sind nachgestellt, Schmuckstücke und allerlei Zierrat ist ausgestellt.
Aber dann kommt ein sehr freundlicher Mann auf uns zu, der uns zur Puppenaufführung einlädt. Das ist fast wie in unserer Kindheit beim Kasperltheater - da gibts die böse Schlange mit dem Schlangenbeschwörer und natürlich auch eine schöne Prinzessin. Wir sind die einzigen nicht-indischen Touristen hier, den Indern gefällt's, uns auch ...

Während der Vorstellung geht ein kräftiger Gewitterregen nieder, sogar der Strom fällt kurz aus. Zur Monsunzeit möchten wir nicht hier sein müssen!

16.03. Sahelion-Ki-Bari-Garten

Letzte Station in Udaipur ist der Sahelion-Ki-Bari-Garten. Zum Glück hört der Regen auf und wir können etwas im Garten herumwandern.

Na ja, wir haben schon schönere gesehen, aber der Teich mit den Lotusblumen ist sehr ansehnlich. Und hier zwischen den Blumen herumzuwandern, ist angenehmer als draußen bei Lärm und Schmutz.

16.03. Local Market

Für die Lüge wegen dem Puppenmuseum bestrafen wir den Guide mit dem Verzicht auf sämtliche Shoppingtouren. Wir haben dann aber doch Mitleid und fahren wenigstens zum Restaurant seiner Wahl, wir haben ja noch fast den ganzen Nachmittag Zeit, bevor unser Zug nach Delhi um 18.15 h abfährt.
Das "Garden-Restaurant" ist wie die meisten Guide-Empfehlungen (mittelmäßig und teuer), wir essen eine Kleinigkeit und genießen ein paar Drinks.

Um 15.30 Uhr fahren wir zum Office der örtlichen Agenturvertretung. Hier holen wir wieder mal einen örtlichen Vertreter ab, der meint es sei noch viel zu früh, um zum Bahnhof zu fahren. Wo er recht hat ...

Also will er uns zum "local market" bringen. Wir sind erst nicht begeistert, stimmen dann aber doch zu. Das war eine echt gute Idee, stellen wir schnell fest. Hier kaufen wirklich die Einheimischen ein, von Touristen weit und breit nichts zu sehen. Im Moment ist viel los, erfahren wir, weil in ein paar Tagen das wichtige "Holi-Festival", das Fest der Farben stattfindet. Der Guide erklärt uns alles auf dem Markt, von den verschiedenen Knabbereien, über die Seifen aus Naturprodukten, von den verschiedenen Gewürzen über die Korbmacher - einfach total interessant und wieder mal ein Fest für die Sinne! Natürlich werden wir auch hier wieder abgeschleppt, diesmal ein Geschäft für "echte Markenkleidung" - schreckliches Billigzeugs, unglaublich daß Leute sowas kaufen ?!?

Franky kostet sogar die wirklich gut aussehenden Süßigkeiten, ich trau mich dann doch nicht drüber. Auch die verschiedenen Chips und Snacks sehen richtig zum Anbeißen aus ...

Kurz vor 17 Uhr sind wir dann am Bahnhof. Der Zug soll schon in einer guten halben Stunde da sein, wir haben noch Zeit, um etwas zu quatschen. Schon recht interessant, was die jungen Inder so über das Leben hier und in Europa denken. Auch hier wieder primär der Neid auf die europäischen Männer, weil die viel freier sind in Bezug auf Frauen. Obwohl der Mann verheiratet ist und ein Kind hat, taxiert er alle hübschen Frauen und macht auch Bemerkungen dazu. Ob das wohl noch lange so geht in Indien mit den arrangierten Ehen auf Lebenszeit, fragen wir uns?

Der Zug kommt pünktlich. Wir haben wieder 1. Klasse Schlafabteil. Zum Glück die 2 unteren Betten. Als Gesellschaft bekommen wir 2 indische Geschäftsleute, die beide fast ununterbrochen telefonieren. Wir unterhalten uns dann noch ganz gut, denn der Mann aus Kalkutta erzählt uns, daß er mit 12 Jahren einem Tiger Auge in Auge gegenüberstand. Und der Tiger hat die Flucht ergriffen ... Heute würde es so gut wie keine Tiger mehr geben in Indien, meint er. Auch in den Nationalparks nicht, meint er, nur jeder 100.000. Besucher würde vielleicht einen zu Gesicht bekommen. Na ja, das läßt ja nicht sehr viel Hoffnung aufkommen für unseren letzten Nationalpark in ein paar Tagen ...

Um 21.30 Uhr wird das Licht ausgeschaltet und es ist Schlafenszeit. Kurz, nachdem wir eingestiegen waren, hatte Franky übrigens am Gang ein kleines Tier herumhuschen gesehen - hoffentlich keine Ratte, die uns heute Nacht besucht :-)